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Wildnis

Seit 10 Jahren gibt es den Kosmopolitischen Garten in Eisenstadt. Er entstand aus dem Nach-Denken des Zusammenhangs zwischen Gärten und Bildung, das in eine neue Praxis mündete.

Gärtnerische und künstlerische Projekte wuchsen zusammen und bilden ein merkwürdiges Gelände euphorischer Aktivitäten und stiller Verwilderung.

Über Jahre sind es vor allem Flüchtlingsfamilien aus dem Orient, die hier ein Stück Land auf ihre Art bestellen. Eine Gruppe von Studentinnen und Studenten wagt ein Experiment zur Selbstversorgung.

Ein Baumkreis bietet Raum für festliche Begegnungen; Hochbeete warten auf neue Bepflanzung; Rosengärten und Ruheoasen laden ein zum Verweilen. Lavendelstreifen locken Bienen und feine Nasen.

Jedes Jahr im Juni werden frische Strohballen zur Versammlung rund um die Feuerstelle geliefert, um dem Erdfest, Mittsommerfest oder Wildnisfest einen bekömmlichen Rahmen zu schaffen.

Ein solches Gelände darf weder verschwinden noch verkommen! Aber es darf verwildern! Ja, es darf richtig wild werden!

Ob solche Wildnis begehbar ist, hängt von den Wegen ab, die sich bilden, indem man sie geht; ob sie bewohnbar ist, von den Plätzen, die man einrichtet und pflegt; ob sie freundlich ist, von der Behutsamkeit und Zuneigung ihrer Besucher. Zur Vorstellungskraft kommt die Lassenskraft als Moment von Gestaltungskunst.

Entdeckung und Gestaltung von Wildnis sind Ausdruck einer Kunst. Das englische Wort für Kunst „art“ kommt aus dem indischen Wort „rta“, dem auch das Wort Ritual entstammt, ein Wort, das auf feierliche und festliche Kommunikationsformen verweist, nicht nur zwischen den Menschen sondern auch mit den Wesen der Natur. Ein Gespräch lässt sich wilder machen, wenn man zuerst in den Garten geht, sich dort still umhört und ein besonderes Wesen (Stein, Blatt, Blüte,…) in die Gesprächsrunde mitnimmt.

Können wir Wildnis zulassen und aushalten? Uns darin bewegen, auf Wegen, die die Wildnis zulässt und aushält.